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Die neuen Top-Level-Domains – Vergabeverfahren und Chancen

Posted by on November 29, 2011 2 Comments Kategorie : Blog

Top-Level-Domains sind diejenigen Domainendungen, mit denen der Name einer Webseite nach dem letzten Punkt endet. Für Länder werden zwei Buchstaben verwendet, also .de für Deutschland, .uk für Großbritannien, .ru für Russland, daneben gibt es generische Top-Level-Domains (gTLD), deren Endungen aus drei oder mehr Buchstaben bestehen und die einen bestimmten Bereich, eine Organisation oder die Verwendung einer Domain kennzeichnen. Sie sind vielfach, aber nicht in jedem Fall frei zugänglich wie etwa .info, das gern als Endung für E-Mail-Adressen benutzt wird, oder .com, das eigentlich für commercial, also Unternehmen, stand. Heute ist .com wie viele andere gTLDs (.org, .net, .biz, .name) von jedem Nutzer zu verwenden. Es gibt noch einige wesentliche Unterscheidungen, die insgesamt komplex sind. Wichtig bei der Beurteilung der im Jahr 2012 neu zu installierenden Top-Level-Domains ist die Tatsache, dass bestimmte Domains wie etwa die 320 zweibuchstabigen Länder-Kürzel eine Ausnahmestellung genießen, weil sie unter Millionen von Internetadressen herausragen. Wer so eine Domain besitzt, genießt eine enorm exklusive Stellung im Internet – wie jeder Staat.

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Die Vergabe neuer Top-Level-Domains

Durch die ICANN, einer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Kalifornien, werden die meisten und wichtigsten Top-Level-Domains kontrolliert. Ab dem Jahr 2013 vergibt die ICANN etwa 1.000 neue Top-Level-Domains für Endungen einer .FIRMA, .MARKE oder .BRANCHE.

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Domainrecht – wie sich Widerstand gegen die ICANN formiert

Das Bewerbungsverfahren beginnt im Februar 2012, es ist sehr komplex aufgebaut und wird sich über das gesamte Jahr 2012 hinziehen. Es kann daher auch nur äußerst verkürzt dargestellt werden. Vom Grundsatz her ist es dann möglich, dass ein Automobilkonzern wie BMW eine Top-Level-Domain .bmw beantragt, die er für alle seine Auftritte, sämtliche BMW-Händler der Welt und sein gesamtes Servicenetz nutzen kann und damit ein sehr hohes Alleinstellungsmerkmal im Netz genießt. Die Kosten für die Beantragung betragen 185.000 Dollar (nach dem Kurs am 28.11.2011 ~ 138.600 Euro), es entstehen dann weitere Kosten für den Betrieb der entsprechenden Server und die Verwaltung der Domains von rund 25.000 Dollar jährlich auf die Dauer von etwa 20 Jahren. Die 185.000 Dollar müssen bei der Beantragung hinterlegt werden, sollte ein anderer Mitbewerber den Zuschlag für die entsprechende Top-Level-Domain erhalten, ist das Geld verloren. Bieter können sich allerdings zu einem Zeitpunkt vor der endgültigen Entscheidung aus dem Verfahren zurückziehen und erhalten dann einen Teil des Geldes zurück. Den Zuschlag erhält derjenige Antragsteller, der über den technischen und finanziellen Hintergrund zum Betrieb einer Top-Level-Domain verfügt – die Bedingungen sind sehr umfangreich – und außerdem aus Sicht des Markenrechts die größte Affinität zur beantragten Domain besitzt. Bei BMW wäre klar, dass eher BMW als irgendein privater Investor den Domainnamen erhält, in anderen Fällen ist das nicht so klar. Das Risiko besteht hier in der Beantragung eines Namens, der Hinterlegung der Kaution von 185.000 Dollar und dem Unterliegen im Bieterverfahren, wobei letztendlich Bietergefechte über die schiere Summe nicht ausgeschlossen werden.

Die Vorteile für Unternehmen

Wer eine Top-Level-Domain besitzt, verfügt im Internet über einen unschlagbaren Vorteil bei der Suchmaschinenoptimierung und einen aus marketingtechnischer Sicht grandiosen Wettbewerbsvorteil. Er wäre so gut zu erkennen wie etwa ein Staat. Da alle Partner mit derselben Affinität zu diesem Domainnamen die Rechte an der Endung beim Inhaber erwerben – also alle BMW-Händler der Welt beim Konzern als Namensinhaber -, sind diese Rechte zu makeln, wofür ein fest etablierter Markt besteht. Die Namen sind Gold wert, Insider sprechen von Renditen, die man auf dem üblichen Kapitalmarkt seriös nicht nennen dürfte. Dabei ist der Autokonzern noch ein harmloses Beispiel, denn es werden schließlich auch Top-Level-Domains für Branchen vergeben, zum Beispiel für .hotel. Das ist eine Endung, die überall auf der Welt gleich verstanden wird, wer diese Domain erhält, kann sie an mehrere Millionen Hotels weltweit vermakeln. Und der Bedarf wird da sein, denn Menschen auf der ganzen Welt werden ab 2013, wenn sie ein Hotel in London suchen, einfach nach *.london.hotel suchen. Alle Londoner Hotels, die nicht .hotel in der Endung haben, fallen aus dieser Suche heraus, also werden sie sich alle beim Inhaber der Top-Level-Domain .hotel um die Endung bewerben und dafür bezahlen – so wie weitere vielleicht 10 Millionen Hotels auf der Welt. Klondike lässt grüßen. Mit dieser sehr stark verkürzten Darstellung ist hoffentlich angedeutet, welch enorme Bedeutung die neuen Top-Level-Domains haben.


Videotipp:

Tagesschau-Bericht über Domainreselling

2 Kommentare



  1. Tobi on Aug 14, 2012

    Guter Beitrag, zwei Sachen kann ich aber nicht ganz nachvollziehen.

    Wieso verliert man sein gebotenes Geld?

    Die Affinität wird ja bei einer Endung wie .hotel von vielen gegeben sein und ich denke auch das die Finanzmittel ähnlich ausfallen könnten, gibt es noch weitere Dimensionen die zur Entscheidung beitragen? Müssen sich Anbieter zum Beispiel transparent machen und Nutzerzahlen vergleichen oder sowas?



  2. Berni Kreuter on Sep 24, 2012

    Sehr interessant und aufschlussreich, bin heute wiedermal etwas klüger geworden. 🙂

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